Judenfeindliche Prozessionsdarstellungen, Kapelle Forum Misericordia in Paderborn (Marienloh)

Beschreibung

Die inzwischen abgehängten Kreuzwegbilder des Malers Wilhem Sommer in der römisch-katholischen Kirche St. Georg waren leider nicht die einzigen antisemitischen Werke dieses Urhebers, die in Paderborn existieren. In einer Privatkapelle im Ortsteil Marienloh finden sich sehr ähnliche Objekte aus dem Jahr 1926.

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Die Gottesmordlegende: Grundlage für judenfeindliche Passionsdarstellungen über Jahrhunderte

Antijüdische Darstellung der Kreuzigung Christi. Katharinenkapelle in Landau in der Pfalz, nach 1350

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Das Projekt spuren-sichtbar-machen.de mit Beiträgen zur Dokumentation und Kontextualisierung judenfeindlicher Objekte ist seit März 2023 online. Begonnen hatte alles mit judenfeindlichen Inschriften auf zwei Kreuzwegstationen in Willebadessen. Über die Meldefunktion der Webseite sind uns seit der ersten Veröffentlichung mehr als hundert weitere Objekte gemeldet worden. Bei der Analyse der Meldungen zeigt sich, dass insbesondere Kreuzwegstationen sehr häufig judenfeindliche Botschaften transportieren. Ursache und immer wiederkehrendes Motiv ist hier die Gottesmordlegende. Noch 2012 ergab eine Umfrage, dass 14 Prozent der Deutschen glauben, dass Jüdinnen:Juden für den Tod Jesu verantwortlich sind. In den USA steigt diese Zahl sogar und lag 2016 bei 31 Prozent.1 Vor diesem Hintergrund ist es geboten, sich mit der Entstehung und Entwicklung dieser Legende genauer zu befassen. Der Ausdruck Gottesmord bezeichnet in der Kirchengeschichte eine angebliche unaufhebbare Kollektivschuld der Jüdinnen:Juden an der Kreuzigung des Jesus von Nazareth, der dabei als Sohn Gottes angesehen wird. Der Begriff entstand im Jahr 160 aus einer Aussage des Bischofs Melito von Sardes: „Gott ist ermordet worden.“2 Der Beginn dieser Legende liegt jedoch noch weiter zurück. 

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Reproduktion judenfeindlicher Mythen in Kreuzwegreliefs, St. Kilian, Büren (Brenken)

Beschreibung

Das Todesurteil gegen Jesus von Nazareth wurde vom römischen Statthalter Pontius Pilatus gefällt und von römischen Soldaten ausgeführt. Gleichzeitig finden sich in der christlichen Ikonografie immer wieder Botschaften, dass Juden als treibende Kraft im Hintergrund darauf hinwirkten. Letztlich handelt es sich dabei um eine Darstellungsform der Gottesmordlegende. Diese wird häufig auf Kreuzwegen reproduziert. Die Kreuzwegstationen in der römisch-katholischen Kirche St. Kilian in Brenken (Büren) sind ein Beispiel hierfür.

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Judenfeindliche Darstellungen auf Kreuzwegstationen, röm.-kath. Kirche St. Cyriakus, Lichtenau (Kleinenberg)

Beschreibung

Die kanonischen Evangelien identifizieren drei Gruppen, die in unterschiedlichem Maße an der Festnahme, Verurteilung, Auslieferung und Kreuzigung Jesu beteiligt waren: die Römer als militärische Besatzungsmacht, der Sanhedrin als höchste Religionsbehörde des damaligen Judentums und die Anhänger der Sadduzäer in Jerusalem. Die im Wesentlichen übereinstimmenden Textpassagen lassen keinen Zweifel daran, dass der römische Statthalter Pontius Pilatus und seine Soldaten für die Hinrichtung Jesu verantwortlich waren. Im Gegensatz dazu vermitteln die Kreuzwegstationen in der Kirche St. Cyriakus in Lichtenau den Mythos des Gottesmordes durch “die” Juden.

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Judenfeindliche Passionsdarstellungen, röm.-kath. Pfarrkirche St. Pankratius, Gescher

Beschreibung

„Gierig greifen Krallenfinger nach Jesu Mantel. Stierende Augen, eine Hakennase, ein falsches Lächeln auf den Lippen lassen das Gesicht des Mannes, der da so ungeniert auf den an der Dornenkrone leidenden und aus Kopfwunden blutenden Christus blickt, durch und durch unsympathisch erscheinen.“1 So beschrieb Helene Wentker 2016 die sich antisemitischer Stereotypen bedienenden Kreuzwegbilder in der röm.-kath. Pankratius-Pfarrkirche in Gescher. Sie wurden 1935 von Bernd Terhorst als Auftragsarbeit geschaffen. Diese Darstellungsformen entsprechen den nationalsozialistischen Rassenvorstellungen voll und ganz.

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Antisemitische Darstellungen auf Kreuzwegstationen, röm-kath. Pfarrei St. Georg, Paderborn (abgehängt)

Beschreibung

Über die Meldefunktion von spuren-sichtbar-machen.de wurden wir im Juni 2023 auf Kreuzwegbilder in der Kirche St. Georg in Paderborn aufmerksam gemacht. Eine Sichtung der Objekte zeigte, dass Figuren darauf unter anderem an im Nationalsozialismus verwendete Darstellungsformen von Jüdinnen:Juden erinnern. Diesen ersten Befund teilte spuren-sichtbar-machen.de im noch im selben Monat dem Generalvikariat des Erzbistums Paderborn (Glaube im Dialog) mit.

Ende August 2023, zum Abschluss der Recherche, nahmen wir vor Veröffentlichung des inzwischen vorbereiteten Beitrags auf spuren-sichtbar-machen.de erneut Kontakt mit dem Generalvikariat des Erzbistums Paderborn (Glaube im Dialog) auf. Dieses informierte den zuständigen Pastoralverbund Paderborn Nord-Ost-West. Pastor Thomas Bensmann tat darauf in seiner Funktion als stellvertretender Leiter des Pastoralverbunds das aus antisemitismuskritischer Sicht Richtige: Er hängte die Bilder bis zur Klärung des weiteren Umgangs damit ab und informierte die Gemeinde sowie die zuständigen Gremien darüber, dass hier entsprechender Klärungs- und Handlungsbedarf besteht. Deshalb ist dieser Beitrag unser erster Beitrag ohne Abbildung der Objekte. Bei der ersten Sichtung vor Ort hatten wir Aufnahmen erstellt. Es wäre jedoch absurd, die in St. Georg nun endlich beendete Darstellung von rassistischer Judenfeindlichkeit hier zu reproduzieren.

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Reproduktion des Gottesmordmythos auf Kreuzwegbildern, röm.-kath. Kirche St. Johannes Baptist, Bad Arolsen

Beschreibung

Die kanonischen Evangelien nennen drei Gruppen, die in verschiedenem Maß an der Verhaftung, Verurteilung, Auslieferung und Kreuzigung Jesu mitwirkten: die Römer als militärische Besatzungsmacht, der Sanhedrin als oberste Religionsbehörde des damaligen Judentums und die Anhänger der Sadduzäer in Jerusalem. Die im Kern übereinstimmenden Textpassagen lassen keinen Zweifel, dass der römische Statthalter Pontius Pilatus und seine Soldaten Jesus hinrichteten. Die Kreuzwegstationen in der Kirche St. Johannes Baptist im nordhessischen Bad Arolsen dagegen reproduzieren den Mythos des Gottesmordes durch “die” Jüdinnen:Juden.

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Judenfeindliche Skulpturen, ev.-luth. Kirchengemeinde St. Marien, Lemgo

Beschreibung

Seit der Veröffentlichung der Seite spuren-sichtbar-machen.de mit zunächst vier judenfeindlichen Objekten im Kreis Höxter am 27.3.2023 wurden der ada.kreis-höxter innerhalb eines Monats über hundert weitere Spuren gemeldet. Bei fast allen dieser Spuren christlicher Judenfeindschaft fand bis heute keine Kontextualisierung statt. Die Kirche St. Marien in Lemgo im Kreis Lippe ist hier eine positive Ausnahme.

Insgesamt finden sich zwei judenfeindliche Skulpturen in St. Marien zu Lemgo. Eine der Figuren ist Teil eines Paares im westlichen Atrium der Kirche. Vom Altar aus zur Linken befindet sich eine sogenannte “Judensau”. Vom Altar aus zur Rechten ist eine weitere Figur zu sehen, die als thronender Christus interpretiert werden kann.1 Eine weitere judenfeindliche Sandsteinfigur befindet sich vom Altar aus links an einer Säule, die auch die Kanzel der Kirche trägt.

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Judenfeindliche Inschriften auf zwei Kreuzwegstationen, Willebadessen

Weg zur St.-Vitus-Kapelle, Willebadessen

Beschreibung

Kreuzwege veranschaulichen den Leidensweg Jesu Christi ausdrucksvoll in Bildern und Texten. Sie befinden sich in beziehungsweise bei beinahe jeder katholischen Kirche und symbolisieren die Leidensstationen Jesu Christi von seiner Verurteilung bis zur Kreuzigung.

Seit 1859 existieren die Kreuzwegstationen entlang des Weges zur Vitus-Kapelle, die bereits Ende des 17. Jahrhunderts errichtet wurde. Alljährlich wird die Vitus-Kapelle an Karfreitag und am Fest des heiligen Vitus im Juni zum Zielpunkt von Prozessionen, an denen sich mehrere hundert Personen beteiligen. Der Prozessionsweg führt vorbei an zwei Stelen mit judenfeindlichen Inschriften. Die Schmähverse tradieren Vorstellungen über Juden als Christusmörder. Juden werden als Kollektiv für das Martyrium Jesu Christi verantwortlich gemacht.

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