Die kanonischen Evangelien benennen klar die Verantwortlichen für die Festnahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu: Der römische Statthalter Pontius Pilatus verurteilte Jesus zum Tod am Kreuz, und römische Soldaten führten die Hinrichtung aus.1 Außerbiblische Quellen bestätigen, dass allein die Römer das Recht zur Verhängung der Todesstrafe besaßen. Für Jüdinnen und Juden galt die Kreuzigung zudem als Zeichen des Verfluchtseins durch Gott.2
Die Kreuzwegstationen in St. Margaretha in Paderborn-Dahl greifen dennoch auf judenfeindliche Narrative zurück, die eine Beteiligung von Jüdinnen und Juden an der Kreuzigung Jesu nahelegen.
Vor drei Jahren, am 27. März 2023, ging die Webseite spuren-sichtbar-machen.de online. Was als bescheidenes Pilotprojekt für vier Objekte im Kreis Höxter begann, hat sich zu einer der wichtigsten Plattformen für die Dokumentation und Aufarbeitung judenfeindlicher Objekte in Nordrhein-Westfalen entwickelt. Heute, zum dreijährigen Jubiläum, blicken wir auf eine Entwicklung zurück, die alle ursprünglichen Erwartungen übertroffen hat.
Wer bin ich und was macht mein Leben aus? Diese Fragen stellt das Modellprojekt Fixing The Boat – Finding Identity – das erste Escape Room Game in Europa, das jüdisches Leben und Identitäten erfahrbar macht.
Die innovative Bildungsreise wurde von SABRA, der Beratungsstelle für Antidiskriminierungsarbeit der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, entwickelt.
Die Kreuzwegbilder in der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Michael in Hagen zeigen in ihrer Bildgestaltung deutlich Formen von Judenfeindschaft und Antisemitismus, die einer kritischen Einordnung bedürfen.
Das Todesurteil gegen Jesus von Nazareth wurde vom römischen Statthalter Pontius Pilatus gefällt und von römischen Soldaten ausgeführt. Dennoch zeigt die christliche Ikonografie seit Jahrhunderten immer wieder Darstellungen, in denen Jüdinnen und Juden als treibende Kraft hinter der Verurteilung und Hinrichtung Jesu erscheinen. Diese Bildsprache ist Ausdruck der sogenannten Gottesmordlegende, die Jüdinnen und Juden kollektiv die Schuld am Tod Jesu zuschreibt. Sie hat über Jahrhunderte zur Entstehung und Festigung antisemitischer Stereotype beigetragen und findet sich bis heute in sakraler Kunst. Der Kreuzweg in Westbevern stellt ein Beispiel für diese problematische Tradition dar.
In der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Pankratius in Beckum (Vellern), deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen, befindet sich ein Taufstein, der auf die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert wird .1 Dieser Taufstein zeigt in acht Reliefdarstellungen figürliche Motive, unter denen sich auch ein besonders prägnantes allegorisches Paar befindet: die Ecclesia und die Synagoga. Beide Figuren sind nicht nur durch ihre Attribute, sondern auch durch die über ihnen angebrachten Inschriften eindeutig zu identifizieren. Reproduziert wird durch diese Figuren christliche Judenfeindschaft in Form von Überlegenheitsphantasien gegenüber dem Judentum.
In der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Fölsen, einem Ortsteil von Willebadessen, befinden sich Kreuzwegbilder, deren bildliche Darstellung eine problematische judenfeindliche Symbolik enthält. Die Saalkirche, deren Bau auf 1746 bis 1747 datiert ist, hat eine lange Geschichte, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht. Urheber und Entstehungszeit der Kreuzwegbilder sind nicht bekannt, doch die judenfeindliche Botschaft dieser Bilder ist bis heute von Bedeutung.
In der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Antonius von Padua in Bad Wünnenberg befinden sich Kreuzwegbilder, deren bildliche Gestaltung judenfeindliche Symbolik transportiert. Die Saalkirche, deren heutiger Bau zwischen 1678 und 1679 entstand, blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins 9. Jahrhundert reicht. Wann genau die Kreuzwegbilder entstanden und wer ihr Urheber war, ist nicht bekannt. Die judenfeindliche Bildsprache dieser Darstellungen ist jedoch bis heute von Bedeutung.
Eine Analyse der über die Meldefunktion von spuren-sichtbar-machen.de eingegangenen Hinweise zeigt ein klares Muster: Besonders häufig sind Kreuzwegstationen betroffen, wenn es um die Darstellung judenfeindlicher Inhalte geht. Diese Beobachtung wirft Fragen auf: Warum gerade Kreuzwegbilder? Was macht sie so anfällig für antijüdische Narrative? Und wie ist das historisch zu erklären?
In der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Simon und Judas im Warburger Ortsteil Wormeln finden sich Kreuzwegbilder, die durch ihre Bildsprache Elemente der antijüdischen Gottesmordlegende reproduzieren. Die genaue Entstehungszeit dieser Bilder ist unbekannt. Die Kirche selbst war ursprünglich Teil eines 1246 gegründeten Nonnenklosters.
Im Vergleich zu anderen bekannten Darstellungen ist der antisemitische Gehalt der Wormelner Kreuzwegbilder auf den ersten Blick weniger plakativ – doch gerade diese subtile Form macht ihre Wirkung nicht weniger problematisch. Die Reproduktion judenfeindlicher Narrative erfolgt hier durch gezielte visuelle Codierungen und narrative Konstellationen.
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