Die Gottesmordlegende: Grundlage für judenfeindliche Passionsdarstellungen über Jahrhunderte

Antijüdische Darstellung der Kreuzigung Christi. Katharinenkapelle in Landau in der Pfalz, nach 1350

Beschreibung

Das Projekt spuren-sichtbar-machen.de mit Beiträgen zur Dokumentation und Kontextualisierung judenfeindlicher Objekte ist seit März 2023 online. Begonnen hatte alles mit judenfeindlichen Inschriften auf zwei Kreuzwegstationen in Willebadessen. Über die Meldefunktion der Webseite sind uns seit der ersten Veröffentlichung mehr als hundert weitere Objekte gemeldet worden. Bei der Analyse der Meldungen zeigt sich, dass insbesondere Kreuzwegstationen sehr häufig judenfeindliche Botschaften transportieren. Ursache und immer wiederkehrendes Motiv ist hier die Gottesmordlegende. Noch 2012 ergab eine Umfrage, dass 14 Prozent der Deutschen glauben, dass Jüdinnen:Juden für den Tod Jesu verantwortlich sind. In den USA steigt diese Zahl sogar und lag 2016 bei 31 Prozent.1 Vor diesem Hintergrund ist es geboten, sich mit der Entstehung und Entwicklung dieser Legende genauer zu befassen. Der Ausdruck Gottesmord bezeichnet in der Kirchengeschichte eine angebliche unaufhebbare Kollektivschuld der Jüdinnen:Juden an der Kreuzigung des Jesus von Nazareth, der dabei als Sohn Gottes angesehen wird. Der Begriff entstand im Jahr 160 aus einer Aussage des Bischofs Melito von Sardes: „Gott ist ermordet worden.“2 Der Beginn dieser Legende liegt jedoch noch weiter zurück. 

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