Spuren sichtbar machen – Das Projekt wirkt: Von der Dokumentation zum gelebten Umgang vor Ort

Zwei Männer stehen in einem Innenraum vor einem großen, gerahmten Gemälde, das biblische oder historische Figuren zeigt. Der eine Mann trägt einen dunklen Anzug und ein weißes Hemd, der andere eine Brille und eine helle Jacke. Die Umgebung wirkt formell, möglicherweise handelt es sich um eine Galerie oder ein Museum. (Text mit KI erstellt)

Was als digitale Dokumentation judenfeindlicher Objekte zunächst im Kreis Höxter begann und heute in ganz NRW Resonanz erfährt, entfaltet mehr und mehr eine Wirkung, die über den virtuellen Raum weit hinausreicht: spuren-sichtbar-machen.de ist vom Archiv zum Ausgangspunkt konkreter Bildungs- und Auseinandersetzungsprozesse geworden. Zwei Veranstaltungen im September 2026 machen das besonders deutlich – beide gehen unmittelbar auf Veröffentlichungen auf spuren-sichtbar-machen.de zurück.

Plakat für einen Vortrag mit dem Titel „Der (verschwundene) Kreuzweg von St. Georg“ über antisemitische Spuren in der christlichen Kunst, mit Veranstaltungsdetails für den 16. September 2026 im Pfarrheim St. Georg, Paderborn. Das zentrale Bild zeigt einen Mann, der in einem Raum mit Kreuzen Kunstwerke betrachtet. (Text mit KI erstellt)

So lud die Gemeinde St. Georg in Paderborn am 16. September 2026 zu einer Vortragsveranstaltung mit dem Titel „Der (verschwundene) Kreuzweg von St. Georg – Antijüdische Spuren in christlicher Kunst und die Suche nach einem verantwortungsvollen Umgang damit“ ins Pfarrheim ein. Referent war der Diplom-Theologe Damian Lazarett vom christlichen Bildungswerk Die Hegge. Ausgangspunkt waren die Recherchen und Veröffentlichungen auf spuren-sichtbar-machen.de zu den antijüdischen Darstellungen des inzwischen entfernten Kreuzwegs von St. Georg. Die Gemeinde nahm die Dokumentation sowie die Entfernung der Kreuzwegbilder zum Anlass, sich der eigenen Geschichte nicht nur zu stellen, sondern sie öffentlich zu thematisieren – gemeinsam mit Fachkundigen und Gemeindemitgliedern.

Nur eine Woche später, am 23. September 2026, folgte die Gemeinde St. Margaretha in Paderborn-Dahl: In einer Informationsveranstaltung stellte sie sich der Auseinandersetzung mit den judenfeindlichen Codes in ihren eigenen Kreuzwegbildern. Es sprachen Benedikt Körner, Referent für Interreligiösen Dialog im Erzbistum Paderborn, zur Entwicklung der christlichen Judenfeindschaft, sowie Dirk Damm, Mitarbeiter der Beratungsstelle für Antidiskriminierungsarbeit der Diakonie Paderborn-Höxter e.V., Projektleiter von spuren-sichtbar-machen.de und Mitglied des Kompetenzverbundes Antisemitismus im Netzwerk ada.nrw, zu den judenfeindlichen Codes in den Kreuzwegbildern der Kirche St. Margaretha. Auch hier gilt: Ohne die Dokumentation und Kontextualisierung auf spuren-sichtbar-machen.de wäre der Stein nicht ins Rollen gekommen.

Beide Gemeinden haben sich auf den Weg gemacht, einen angemessenen Umgang mit den judenfeindlichen Objekten in ihren Kirchen zu finden – und sie sind keine Einzelfälle: Derzeit unterstützt das Projekt eine ganze Reihe weiterer Kirchengemeinden in NRW inhaltlich dabei, vergleichbare Prozesse voranzubringen. Diese Entwicklung zeigt, dass spuren-sichtbar-machen.de weit mehr leistet als Dokumentation und Kontextualisierung im virtuellen Raum: Das Projekt trägt das Thema aktiv an die Besitzer:innen der Objekte heran und begleitet und unterstützt sie dabei, vor Ort einen angemessenen Umgang mit diesen Zeugnissen christlicher Judenfeindschaft zu finden.

Trotz dieser erfreulichen Erfolge muss jedoch nüchtern konstatiert werden: Die Besitzer:innen, die sich dieser Auseinandersetzung auf angemessene Weise stellen, sind nach wie vor in der Unterzahl. Besonders zu bedauern ist, dass jene vier Objekte, für die spuren-sichtbar-machen.de ursprünglich konzipiert war, bis heute keine Maßnahmen der Kontextualisierung vor Ort zeigen: die Kreuzwegstationen an der St.-Vitus-Kapelle in Willebadessen, die Chimären am städtischen Gymnasium Marianum und an der Altstadtkirche in Warburg sowie die Kirchenfenster der Kirche St. Elisabeth in Rimbeck. Diese Objekte wirken damit weiterhin unkommentiert weiter.

Die Erfahrungen in St. Georg und St. Margaretha zeigen, wie ein gelingender Prozess aussehen kann: hinsehen statt wegsehen, einordnen und gemeinsam mit Fachleuten und der Gemeinde einen verantwortungsvollen Weg finden. spuren-sichtbar-machen.de bietet dazu die Grundlage – die Dokumentation, die fachliche Einordnung und die Beratung vor Ort. Wir laden alle Besitzer:innen judenfeindlicher Objekte ein, diesen Weg zu gehen.

spuren-sichtbar-machen.de ist ein Projekt der ada.kreis-höxter (Beratungsstelle für Antidiskriminierungsarbeit der Diakonie Paderborn-Höxter e.V.) in Kooperation mit SABRA (Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf), ADIRA (Antidiskriminierungsberatung und Intervention bei Antisemitismus und Rassismus der Jüdischen Gemeinde Dortmund) und RIAS-NRW (Meldestelle in Trägerschaft des Vereins für Aufklärung und demokratische Bildung e.V.). Die Beratungsstellen sind Teil des Kompetenzverbundes Antisemitismus im Netzwerk ada.nrw.


Das Titelbild zeigt Benedikt Körner (Referent für Interreligiösen Dialog im Erzbistum Paderborn) und Dirk Damm (Mitarbeiter der Beratungsstelle für Antidiskriminierungsarbeit der Diakonie Paderborn-Höxter e.V. und Projektleiter von spuren-sichtbar-machen.de) vor einem der Kreuzwegbilder in Paderborn-Dahl.

Reproduktion der judenfeindlichen Gottesmordlegende, röm.-kath. Kirche St. Johannes Baptist, Medebach (Deifeld)

Ein bärtiger Mann in roter Robe zeigt auf einen anderen Mann, der ein großes Holzkreuz trägt. Der Hintergrund ist goldfarben und mit einem Blumenmuster verziert. Unten ist teilweise eine dritte Figur mit Heiligenschein und Dornenkrone zu sehen. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Die Kreuzwegbilder in der röm.-kath. Kirche St. Johannes Baptist in Medebach (Deifeld) bieten eine Darstellung der Leidensgeschichte Jesu, die bei genauerer Betrachtung problematische Implikationen offenbart. Sie verlagert die Verantwortung für die Hinrichtung des Jesus von Nazareth auf Jüdinnen und Juden und reproduziert damit die judenfeindliche Gottesmordlegende.

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Rassifizierende Darstellung von Juden auf Reliefs im Hochchor der röm.-kath. Gaukirche St. Ulrich, Paderborn

Das Steinrelief zeigt zwei bärtige Männer in Gewändern und mit Kopfbedeckungen. Der eine hält einen Stab in der Hand, während der andere mit gefalteten Händen nach oben blickt, was auf eine Szene der Ehrfurcht oder des Gebets hindeutet. Der Hintergrund und die Details sind aus hellem Stein gemeißelt. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Die Gaukirche St. Ulrich in Paderborn ist ein um 1170/80 errichtetes römisch-katholisches Kirchengebäude im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Wesentlichen handelt es sich um einen romanischen Bau, der im Laufe seiner Geschichte um bedeutende Elemente aus der Barockzeit ergänzt wurde. Innerhalb des Altarraums befindet sich jedoch auch ein Zeugnis des Antisemitismus um 1900: Ein Relief stellt jüdisch markierte Personen mit stereotypen und abwertenden Gesichtszügen dar und trägt damit antisemitische Bildvorstellungen in den sakralen Raum.

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Antisemitische und anti-schwarz-rassistische Darstellungen auf Kreuzwegstationen, röm.-kath. Kirche St. Antonius Einsiedler, Wiemeringhausen

Ein Gemälde, das Jesus mit einer Dornenkrone zeigt, umgeben von vier Männern in antiker Kleidung. Ein Mann ist als römischer Soldat gekleidet, während ein anderer ein weißes Tuch in der Hand hält. Die Szene wirkt düster, die Gesichter spiegeln Besorgnis und Trauer wider. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Die Kreuzwegbilder in der römisch-katholischen Kirche St. Antonius Einsiedler in Wiemeringhausen zeigen auffällige Parallelen zu den bereits von spuren-sichtbar-machen.de dokumentierten Kreuzwegbildern von Franz Kaup in der Kirche St. Laurentius in Brilon (Rösenbeck). Es liegt die Vermutung nahe, dass die Bilder in Wiemeringhausen entweder direkt auf Kaups Werke zurückgreifen oder beide auf eine gemeinsame Vorlage verweisen. Unabhängig von der genauen Entstehungsgeschichte transportieren die Darstellungen jedoch antisemitische und rassistische Stereotype, die tief in den problematischen Bildtraditionen des 19. und 20. Jahrhunderts verwurzelt sind.

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Reproduktion der judenfeindlichen Gottesmordlegende auf Kreuzwegbildern, röm.-kath. Kirche St. Katharina, Olsberg (Assinghausen)

Ein Relief zeigt Jesus, wie er ein Kreuz trägt; um seinen Kopf ist ein Heiligenschein zu sehen. Er wird von drei Männern flankiert – einem in Blau, einem weiteren in Rot mit einem Hut und einem Soldaten in Rüstung –, die jeweils Schriftrollen oder Gegenstände in den Händen halten. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Die kanonischen Evangelien benennen klar die Verantwortlichen für die Festnahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu: Pontius Pilatus, der römische Statthalter, verurteilte Jesus zum Tod am Kreuz, und römische Soldaten führten die Hinrichtung aus.1 Außerbiblische Quellen bestätigen, dass allein die Römer das Recht zur Verhängung der Todesstrafe besaßen. Für Jüdinnen und Juden galt die Kreuzigung zudem als Zeichen des Verfluchtseins durch Gott.2

Die Kreuzwegstationen in St. Katharina in Assinghausen reproduzieren dennoch die Gottesmordlegende, indem sie die Verantwortung und Durchführung der Kreuzigung Jesu auf Jüdinnen und Juden verlagern.

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Judenfeindliche Kreuzwegbilder, röm.-kath. Kirche St. Margaretha, Paderborn (Dahl)

Zwei Männer begutachten einen großen Holzbalken. Der eine hält eine Schriftrolle in der Hand und schirmt seine Augen ab, als würde er in die Ferne blicken, während der andere auf den Balken hinunterblickt. Beide tragen Kleidung im historischen oder biblischen Stil, und der Hintergrund ist dunkelblau. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Die kanonischen Evangelien benennen klar die Verantwortlichen für die Festnahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu: Der römische Statthalter Pontius Pilatus verurteilte Jesus zum Tod am Kreuz, und römische Soldaten führten die Hinrichtung aus.1 Außerbiblische Quellen bestätigen, dass allein die Römer das Recht zur Verhängung der Todesstrafe besaßen. Für Jüdinnen und Juden galt die Kreuzigung zudem als Zeichen des Verfluchtseins durch Gott.2

Die Kreuzwegstationen in St. Margaretha in Paderborn-Dahl greifen dennoch auf judenfeindliche Narrative zurück, die eine Beteiligung von Jüdinnen und Juden an der Kreuzigung Jesu nahelegen.

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Reproduktion des judenfeindlichen Gottesmordmythos, röm.-kath. Pfarrkirche St. Simon und Judas, Warburg (Wormeln)

Ein Gemälde, auf dem Jesus mit einer Dornenkrone an einem Holzkreuz liegt, während ein Mann einen Hammer erhebt, um seine Hand festzunageln, während andere verängstigt zuschauen. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

In der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Simon und Judas im Warburger Ortsteil Wormeln finden sich Kreuzwegbilder, die durch ihre Bildsprache Elemente der antijüdischen Gottesmordlegende reproduzieren. Die genaue Entstehungszeit dieser Bilder ist unbekannt. Die Kirche selbst war ursprünglich Teil eines 1246 gegründeten Nonnenklosters.

Im Vergleich zu anderen bekannten Darstellungen ist der antisemitische Gehalt der Wormelner Kreuzwegbilder auf den ersten Blick weniger plakativ – doch gerade diese subtile Form macht ihre Wirkung nicht weniger problematisch. Die Reproduktion judenfeindlicher Narrative erfolgt hier durch gezielte visuelle Codierungen und narrative Konstellationen.

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Judenfeindliche Kreuzwegreliefs im Kreuzgang des Hohen Doms zu Paderborn

Ein detailliertes Steinrelief zeigt mehrere Gestalten in Gewändern und Rüstungen; eine davon gestikuliert über eine gefallene Person, während andere besorgt und verängstigt zusehen, vor dem Hintergrund einer schwachen Stadtlandschaft. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Der Innenhof des Kreuzgangs am Hohen Dom zu Paderborn ist durch das berühmte Dreihasenfenster bekannt, doch während dieses als Wahrzeichen der Stadt regelmäßig Aufmerksamkeit erhält, bleiben die Kreuzwegreliefs, welche sich im Kreuzgang um das Fenster herum befinden, mit ihren judenfeindlichen Bildbotschaften weitgehend unbeachtet. Dabei prägen sie seit Generationen die Wahrnehmung von Passant:innen, Gläubigen und Tourist:innen – und reproduzieren antijüdische Stereotype, die historisch tief verwurzelt und in ihrer Wirkung bis heute problematisch sind.

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Judenfeindliche Darstellungen in der römisch-katholischen Kirche St. Dionysius in Brilon (Thülen)

Eine Reliefskulptur zeigt drei stehende Männer und einen knienden Mann, die ein großes Holzkreuz tragen. Zwei der stehenden Männer tragen Gewänder und halten eine Plakette mit der Aufschrift INRI. Der Hintergrund ist eine strukturierte goldene Farbe. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Die römisch-katholische Kirche St. Dionysius in Thülen, deren Bau bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht, ist der älteste Kirchenbau in Brilon. Über die Meldefunktion unserer Webseite spuren-sichtbar-machen.de erhielten wir Hinweise auf judenfeindliche Darstellungen in den Kreuzwegbildern der Kirche. Eine Besichtigung vor Ort ergab, dass sich zusätzlich zu diesen Darstellungen weitere aus einer antisemitismus- und rassismuskritischen Perspektive problematische Elemente finden lassen.

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Judenfeindliche Steinfiguren Ecclesia & Synagoga, röm.-kath. Kirche St. Lamberti, Münster

Steinmetzarbeiten von vier gewandeten Figuren, möglicherweise Heilige oder historische Persönlichkeiten, schmücken den verzierten Bogen über einer Holztür an einem Gebäude im gotischen Stil. Detaillierte Muster und Spitzbögen rahmen die Szene ein. (Text mit KI erstellt)

Beschreibung

Das eher unauffällige und kleine Lambertiportal an der südlichen Chorseite der zwischen 1375 und 1525 erbauten röm.-kath. Kirche St. Lamberti in Münster zeigt zwei judenfeindliche Steinfiguren Ecclesia und Synagoga aus dem Jahr 1910, welche eine christliche Überlegenheitsphantasie ausdrücken.

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